Energie Schweiz

Nissan stromert mehrspurig in die Zukunft

IMx-Crossover-Studie mit bis zu 600 Kilometern Reichweite

Neue Fahrzeugmodelle sind nur das eine. Um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen, plant der japanische Autohersteller Nissan ein umfassendes Elektro-Ökosystem für Europa. Im Rahmen des Nissan Future 3.0 Events in Oslo wurden die Details vorgestellt.

2010 lancierte Nissan den Leaf als eines der ersten rein elektrischen Grossserienfahrzeuge – mit bescheidener Reichweite, einer mässigen Fahrleistung und gewöhnungsbedürftigem Design zu einem Preis, der zwar erschwinglich war, gegenüber konventionellen Kompaktwagen aber kaum konkurrenzfähig. Die Welt war noch nicht bereit für eine elektrische Revolution.

Sieben Jahre und über 280'000 verkaufte Fahrzeuge später hat sich der Pioniergeist des japanischen Herstellers ausgezahlt: Der Leaf ist das weltweit am meisten verkaufte Elektroauto und steht jetzt, da die E-Mobilität langsam in Fahrt kommt, in der Pole Position.

Zweite Generation des Leaf
Die für Anfang 2018 erwartete Neuauflage, in der Einführungsversion 2.ZERO ab 37'490 Franken macht alles besser als das Vorgängermodell. Nicht nur, dass das Blechkleid gefälliger gestaltet ist, die Leistung von 80 auf 110 kW (150 PS) steigt und die Reichweite um 50 Prozent auf bis zu 378 Kilometer zulegt – als Aushängeschild der Zukunftsvision Nissan Intelligent Mobility fährt die zweite Generation des Leaf mit fortschrittlichen Technologien wie dem ProPILOT Assistenzsystem zum teilautonomen Fahren und dem neuen e-Pedal für Beschleunigen und Bremsen mit nur einem Pedal vor.

Bei der nächsten Generation des Leaf ist vieles anders

Ergänzt wird der Alltags-Stromer vom Elektro-Transporter e-NV200, dessen Reichweite dank der neuen 40-kWh-Batterie im kommenden Jahr um mehr als 60 Prozent auf 280 Kilometer steigt. «In Anbetracht der grossen Auswirkungen, die Paketdienste und gewerbliche Fahrer auf die Luftqualität und Verkehrssituation insbesondere in Städten haben, leistet die Verringerung der von ihnen verursachten CO2-Emissionen einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltigere Zukunft», so Gareth Dunsmore, Direktor Elektrofahrzeuge bei Nissan Europa.

Darüber hinaus könnte, wie der Hersteller kürzlich auf der Tokyo Motor Show zeigte, in Zukunft eine sportliche Nismo-Version des Leaf beweisen, dass Alternativantriebe und Fahrspass keinen Widerspruch bilden sowie ein Crossover bis zu 600 Kilometer weit stromern und während des autonomen Fahrens das Lenkrad im Armaturenbrett verschwinden lassen. Für die leise Revolution hat Nissan sogar eine eigene Klangkulisse entwickelt: «Canto», der die Fussgänger melodiös warnen, aber nicht stören soll.


Elektro-Ökosystem
Doch die Lancierung neuer Modelle ist nur ein Pfeiler von Nissans E-Mobilitäts-Strategie. Im Oktober gab der Hersteller im Rahmen des Nissan Future 3.0 Events in Oslo bekannt, an einem umfassenden Elektro-Ökosystem für Europa zu arbeiten. «Vor fast zehn Jahren hat Nissan die Elektroauto-Revolution in Gang gesetzt», sagte Nissan-Europa-Chef Paul Willcox von seiner eigenen Marke überzeugt. «Heute skizzieren wir unsere Pläne für das nächste Jahrzehnt. Wir werden noch grössere Investitionen in die Infrastruktur und eine Weiterentwicklung der Batterietechnik erleben, und wir werden die Art und Weise ändern, wie die Menschen die Energie für ihre Autos beziehen und bezahlen.»

Der neue Leaf beherrscht das bi-direktionale Laden

So soll das europäische Ladenetz in den nächsten 18 Monaten um 20 Prozent ausgeweitet werden. Um die bestehenden 4'600 CHAdeMO-Schnellladestationen (50 kWh) an Autobahnen und in Metropolen sinnvoll zu ergänzen, arbeitet Nissan mit Behörden und Branchenführern zusammen. Für den Heimgebrauch steht Leaf-Besitzern ab 2018 eine 7-kW-Station für eine Vollladung in knapp fünf Stunden zur Verfügung; speziell für Unternehmen hat der Hersteller 22-kW-Schnelllader im Programm, die den Ladevorgang auf zwei Stunden verkürzen. Ferner sind ab Anfang 2018 moderne Energiespeicher erhältlich, um die Fahrzeuge aufzuladen, die anfallenden Energiekosten zu überwachen und Solarenergie für den «grünen» Betrieb einzuspeisen.

Stromaustausch zwischen Fahrzeug und Haus
In einer Zukunftsvision stellt Nissan sogar Gratis-Strom in Aussicht. Weil der neue Leaf dank Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) das bi-direktionale Laden beherrscht, könnten Stromüberschüsse gegen Bezahlung an das lokale Netz zurückgegeben werden, um die eigenen Energiekosten zu finanzieren. In Dänemark ermöglichten es die gesetzlichen Rahmenbedingungen, dieses Modell im vergangenen Jahr bereits zu testen – ab sofort steht das Angebot allen Flottenkunden offen. Weitere Länder sollen folgen.

«Das elektrische Ökosystem wird das moderne Leben in den kommenden Jahrzehnten grundlegend verändern», verspricht Paul Willcox. «Unsere Städte und unsere Luft werden sauberer, intelligente Sicherheits-Features können die Zahl der Unfälle erheblich reduzieren. Wenn wir Fahrzeuge und ihre Umgebung besser miteinander vernetzen, dann gibt es auf unserer täglichen Fahrt zur Arbeit weniger Staus. Und wenn wir es den Menschen ermöglichen, ihre Autos und ihre Häuser gegenseitig mit Strom zu versorgen, dann können wir unsere Zeit und Energie effizienter nutzen denn je.»