Energie Schweiz

Die IAA im Elektrofieber

Symbioz: Renault macht auf «schöner Wohnen» und «blick weit in die Zukunft».

«Die Elektro-Revolution steht vor der Tür», so das Motto der deutschen Automarken beim Heimspiel an der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA in Frankfurt. Auf elektrischen Concept Cars und einigen bereits alltagstauglichen Elektro-Fahrzeugen lag der Hauptfokus der diesjährigen Messe.

Geglänzt haben die dutzenden Studien bzw. neuen Prototypen der verschiedenen Automarken an der IAA ausgerechnet in der am wenigsten effizienten Form: gross, stark, schwer. Und dadurch auch teuer. Der futuristische Audi Aicon ist länger als der längste A8, aber bietet nur vier Personen Platz – auch wenn er besonders luxuriös ausgestattet ist. Hinter dem schmucken Audi Elaine verbirgt sich der über 400 PS starke e-tron Sportback, der 2020 an den Start rollen soll. Der voll verglaste Symbioz von Renault wohnt mit seinen Besitzern unter einem Dach, die Borgward-Studie wird zur fahrenden Lounge mit spannenden Materialien. 

Elaine: Hinter diesem Namen verbirgt sich der Audi e-tron von 2020.

Aus Taiwan kommt der von Zagato unkonventionell eingekleidete Thunder Power EV, aus Japan der Aspark Owl Supersportler, der Lamborghini oder Tesla beim Stammtischspurt von Null auf Tempo 100 auf die Ränge verweisen soll. Jeder dieser Concept Cars verspricht Hightech-Superlative – natürlich in Sachen Batterie, Elektromotor und der Fähigkeit, mehr oder weniger autonom zu fahren. Das macht Lust, Lust auf die Zukunft.

Nissan bringt demnächst die zweite Generation des Leaf mit einer neuen Reichweite von 378 Kilometern nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) in Serie. Die erste Generation wurde 2010 lanciert und ist weltweit das meistverkaufte Elektroauto. Die zweite Generation überrascht mit einem ganz neuen kantigeren Design.   

Die zweite Generation des Stromers geht dieses Jahr an den Start.

Wer die IAA 2017 allerdings mit einem neuen Elektroauto eines deutschen Herstellers – oder zumindest mit einem Kaufvertrag dafür – verlassen wollte, hat Pech gehabt: Bis auf wenige Ausnahmen sind alle auf der Messe vorgestellten Weltneuheiten oder Studien noch mindestens zwei Jahre von der Markteinführung entfernt. Selbst der Volkswagen-Konzern, der ein flammendes Bekenntnis zum Umschwung gegeben hat, blickt in die Zukunft: Der Robo-Kastenwagen Sedric, die Studien Aicon von Audi und Vision E von Skoda – alles Zukunftsmusik. Selbst die deutlich seriennäher präsentierten Modelle der schmucken ID-Familie (ID, E-SUV ID Crozz und Elektrobus ID Buzz) sorgen zwar für Begeisterung, aber verlangen Geduld. Mit diesen Autos kann man frühestens 2020 rechnen. Immerhin: Bis 2025 will der Wolfsburger Konzern mindestens 50 rein elektrische Autos im Portfolio haben.

Sorgt für Begeisterung, aber kommt erst 2020 – der ID Crozz von VW.

Auch in Stuttgart arbeitet man an der Zukunft: Die Tatsache, dass Smart nun endlich zur reinen Elektromarke werden soll, kam nicht überraschend. Das hatte einst schon Smart-Erfinder Nicolas G. Hayek im Sinn. 

Ziviler Renner von Mercedes-Benz mit Formel-1-Technik und Hybridantrieb mit über 1000 PS.

Für Emotionen sorgte Project One – eine Art Formel-1-Renner, der das neue Mercedes-Elektrolabel EQ trägt. Die Studie EQA, ein Ausblick auf die nächste elektrifizierte A-Klasse macht optisch viel her, steht aber noch nicht am Start.

Und der Brennstoffzellenhybrid GLC F-CELL kommt zwar schon im kommenden Jahr auf die Strasse, allerdings in geringen Stückzahlen.

Eine Tesla-Konkurrenz stand bei BMW auf der Messe – der i Vision Dynamics Concept. Ein edler Viertürer mit einem Design wie aus einem Science-Fiction-Film, einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h und einer Reichweite von 600 Kilometern. Leider ist auch er nur eine Studie. Mit dem neuen BMW i3s haben die Münchner immerhin eine der wenigen echten Elektroweltpremieren gezeigt. Der Elektroflitzer wurde optisch aufgefrischt und die Technik hat ein Update erhalten. Der Stromer kommt mit Range Extender bis zu 300 Kilometer weit.

Hätte das Zeug zum Tesla-Jäger: Die Studie BMW i Vision Dynamics Concept mit 600 Kilometern Reichweite.

Ausserdem gibt es ihn neu in einer Sportversion mit mehr Leistung namens i3S. Natürlich hat auch BMW eine E-Offensive angekündigt und will bis 2025 zwölf reine E-Autos im Portfolio haben. Nicht ganz so lange müssen Mini-Fans auf ihren Stromer warten: Das fertige Auto soll 2019 auf den Markt kommen.

Trotzdem gab es in Frankfurt auch konkrete Fahrzeuge zu entdecken. Unter anderem den Jaguar i-Pace, ein stromender SUV mit 400 PS und einer Reichweite von 500 Kilometern, der bereits im Sommer auf den Markt kommt. Damit haben auch die Briten der deutschen Elektrorevolution etwas entgegen zu setzen. Es wird sich zeigen, welche der an der IAA vorgestellten Studien in der Umsetzung landen werden und welche auch beim Publikum Anklang finden.

Realität: Jaguar bringt den 400-PS-Stromer i-Pace schon 2018 auf die Strasse.