Energie Schweiz

Der neue Golf vereint Antriebsvielfalt

Die grosse Weltpremiere an der IAA musste der VW Golf dem elektrischen ID.3 überlassen. Doch die Nummer 8 ist kein Lückenbüsser und soll vor allem dank verschiedenen Hybridantrieben punkten.

«Life happens with a Golf», prangte Ende Oktober in grossen Lettern über der Showbühne am Stammsitz in Wolfsburg, auf der VW die Weltpremiere des Golf VIII feierte. Daheim, im für VW-Verhältnisse bescheidenen Rahmen. Doch obwohl viele Medien den Golf längst totgeschrieben haben, ist die achte Generation für den grössten Automobilhersteller der Welt und die Marke extrem bedeutsam. Denn der neue Golf muss als wichtigstes Massenmodell weiterhin eine verlässliche Stütze für das klassische Hauptgeschäft bilden.

Kein Wunder also, dass die Wolfsburger PR-Abteilung Vollgas gibt: «Er ist der erfolgreichste Volkswagen aller Zeiten: der mehr als 35 Millionen Mal verkaufte Golf. Ein Phänomen. Jetzt startet die neu entwickelte achte Generation des Bestsellers durch: digitalisiert, vernetzt, vorausschauend, intuitiv bedienbar und innovativ elektrisiert. Nie zuvor war ein Golf progressiver», versprechen sie.

Von aussen sieht der VW Golf erwartungsgemäss aus, wie ein Golf. Zwar wirkt Nummer 8 von aussen dynamischer und moderner, aber zum Aufreisser wird er auch in Zukunft nicht. Und dass tatsächlich jedes Teil der Karosserie neu geformt und im Windkanal geschliffen wurde, zeigt erst ein Blick auf die Aerodynamik: Stirnfläche und Luftwiderstandsbeiwert (cw 0,275) wurden deutlich verringert. Und weil LED-Technologie in allen Versionen Serie ist, lässt sich der Neue zumindest dank dem Lichtdesign auf Anhieb von Nummer 7 unterscheiden.

Doch den Golf hängt man sich ja nicht als Kunstgegenstand an die Wand, sondern er soll möglichst komfortabel, möglichst umweltfreundlich und möglichst praktisch von A nach B fahren. Und obwohl VW ganz besonders unter Strom steht, beweist die Premiere des Golfs, dass man die Verbrenner in Wolfsburg noch nicht zum Alteisen sortiert hat. Schliesslich sind acht Motoren neu entwickelt oder überarbeitet worden und stossen deshalb nicht nur viel weniger Schadstoffe und Partikel aus, sondern verbrauchen bis zu 17 Prozent weniger.

Mittelfristig wird es neben klassischen Benzinern und Dieseln – mit dem neuen Twindosing-Verfahren im Kampf gegen die Stickoxide –, auch wieder eine Erdgas-Version geben und zudem gleich fünf Hybridvarianten. Ihr Debüt feiert dabei die 48V-Technologie: Ein Riemen-Startergenerator, eine 48V-Lithium-Ionen-Batterie und die neueste Generation der effizienten TSI-Motoren bilden hier als eTSI einen Mild-Hybridantrieb. Spürbare Vorteile: eine Verbrauchseinsparung von bis zu zehn Prozent (Basis WLTP) sowie ein höchst agiles und komfortables Anfahren. Volkswagen wird den Golf mit drei Leistungsstufen des eTSI anbieten: 81 kW (110 PS), 96 kW (130 PS) und 110 kW (150 PS).

Darüber hinaus wird es die achte Generation mit zwei Plug-in-Hybridantrieben geben. Eine neue Effizienzversion entwickelt 150 kW (204 PS), eine sehr sportlich ausgelegte GTE-Version liefert 180 kW (245 PS). Beide Golfs mit Plug-in-Hybrid-Antrieben haben eine neue 13-kWh-Lithium-Ionen-Batterie an Bord, die grössere elektrische Reichweiten von rund 60 Kilometern ermöglicht und den Golf so temporär zum Zero-Emission-Vehicle macht.

Diese Antriebsvielfalt ist für Amag-CEO Morten Hannesbo eines der Highlights des neuen Golfs. «Die fünf Hybridversionen unterstützen uns bei der Einhaltung der CO2-Grenzwerte ab 2020.» Einen rein elektrischen Golf wird es allerdings nicht mehr geben. «Dafür hat VW den ID.3», so Hannesbo.

Ein weiteres Highlight ist für den Amag-CEO das Innovision-Cockpit. «Die Digitalisierung ist überall ersichtlich: Anzeigen und Bedienelemente wurden konsequent digitalisiert, damit sie selbsterklärend funktionieren.» So sind die analogen Anzeigen hinter dem Lenkrad einem grossen Display gewichen, das mit einem noch grösseren Touchscreen daneben verschmilzt. Dazu gibt es eine Sensorleiste unter dem Bildschirm und statt der üblichen Schalter fast überall sensitive Oberflächen. Und wie es sich für den Geist der neuen Zeit gehört, ist der Golf dabei permanent online und vernetzt sich nicht nur mit dem World Wide Web und dem Smartphone, das auf Wunsch auch als Schlüssel fungiert.

«Der Golf 8 ist up-to-date und führt seine Insassen ins digitale Zeitalter. Er bleibt das Auto für jeden», ist Hannesbo vom Erfolg des Bestsellers überzeugt, der ab Dezember auf die Strasse rollt. An das oft prognostizierte Ende des erfolgreichsten VWs aller Zeiten glaubt er ohnehin nicht. «Das ist reine Spekulation, meines Wissens wird es eine Nummer 9 geben.» Weil: «Life happens with a Golf», auch für VW.