Energie Schweiz

Ladestationen in den Städten

Elektroautos sind im Trend. Funktionieren aber nur mit geladenen Batterien. Das erledigt man am besten über Nacht an der eigenen Wallbox. Doch längst nicht alle haben diese Möglichkeit. Was machen die grossen Städte? Ein Blick nach Basel, Bern und Zürich.

Die Automobilbranche lanciert immer mehr reine Elektroautos (BEV = Battery Electric Vehicle). Sie liegen bei den Kunden nach wie vor im Trend. Trotz Corona-Krise lagen die Stromer Ende März mit über 3100 verkauften Fahrzeugen 3,2 Prozent über dem Vorjahr – dies obwohl der Gesamtmarkt in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres um 23 Prozent zurückging. Die Schweiz verfügt bereits über ein sehr dichtes Netz an öffentlich zugänglichen Ladestationen. Während eine Wallbox für die meisten Hausbesitzer ohne grosse Mühe eingerichtet werden kann, stellt die Situation in den urbanen Gebieten teilweise eine grössere Herausforderung dar. Wie gehen die grossen Schweizer Städte, in denen viele Bewohner ihr Auto in der blauen Zone parkieren, mit diesen Herausforderungen um? Wir haben in den Städten Basel, Bern und Zürich nachgefragt.

Zürich: Neue Schnellladestationen

«In Zürich wird gerade ein Netz von 30 Schnellladestationen mit jeweils einem oder zwei Standplätzen aufgebaut», sagt Marie Oswald, Mediensprecherin des Elektrizitätswerks Zürich (EWZ). Fünf davon seien schon in Betrieb, die restlichen sollten bis Ende Jahr soweit sein. Als Standorte stehen öffentlich zugängliche Parkplätze im Vordergrund, nicht aber blaue Zonen. «In diese Richtung ist in Zürich nichts geplant.» Alternativ kann man E-Autos in Zürich in privaten Parkhäusern, bei Hotels oder Tankstellen mit Strom versorgen.

Basel: Pilotprojekte in blauen Zonen

Der Regierungsrat gehe von einer kontinuierlichen Zunahme an Elektroautos aus und habe im Rahmen eines Pilotprojekts seit April 2018 in verschiedenen Quartieren 11 Ladestationen in der blauen Zone in Betrieb genommen, sagte Dominik Keller, stellvertretender Leiter des Amts für Umwelt und Energie, auf Anfrage. «Sieben davon haben eine Leistung von 22 kW, drei leisten 50 kW (beschleunigtes Laden) und zudem befindet sich eine Schnellladestation (150 kW) mit zwei Plätzen beim Museum Tinguely.»

Die Ladestationen in der blauen Zone der Stadt Basel werden alle gut genutzt. Ein Ausbau drängt sich im Moment aber laut Keller nicht auf. Viele E-Fahrzeugbesitzer verfügten über eigene Garagen mit Lademöglichkeiten. «Das öffentliche Angebot wird laufend an die Nachfrage anpasst, denkbar ist ein Ausbau auf bis zu 200 Ladestationen», ergänzt er. Im Kanton Basel-Stadt fördert der Regierungsrat die Elektromobilität dort, wo jemand auf ein Fahrzeug angewiesen ist. «Deshalb beschränken sich Förderbeiträge auf Taxihalter, Unternehmen, Sharing-Anbieter. Private erhalten keine finanzielle Unterstützung.»

Bern: Nachfrageorientierter Ausbau

In der Stadt Bern wird Haltern von Elektroautos ohne eigene Lademöglichkeit empfohlen, auf öffentliche Ladepunkte zuzugreifen. Gerade an den Schnellladestationen kann – je nach Fahrzeug – eine beachtliche Reichweite in kurzer Zeit nachgeladen werden, wie Raphaël Wyss, Leiter Unternehmenskommunikation von Energie Wasser Bern, sagt. «Wir betreiben heute in der Stadt Bern ein Ladenetz mit insgesamt 50 öffentlich zugänglichen Ladepunkten an 21 Standorten.» Davon seien 42 Ladepunkte an 17 Standorten mit Normalladestationen (11 bis 22 kW AC) und acht Ladepunkte an vier Standorten mit Schnellladestationen (50 bis 150 kW DC) ausgestattet. Vier Ladepunkte befinden sich laut Wyss als Pilotprojekt in der blauen Zone, die anderen in öffentlich zugänglichen Parkhäusern oder -anlagen. Darüber hinaus gebe es in Bern einige andere Anbieter von einzelnen Ladestationen, die auch öffentlich zugänglich sind.

«In Bern werden die 50 öffentlich zugänglichen Ladepunkte von Energie Wasser Bern als Grundangebot betrachtet», erklärt Raphaël Wyss. Die Nutzungszahlen zeigten, dass es momentan noch freie Kapazitäten an den Ladestationen gibt. Im Hinblick auf die zu erwartende Zunahme an Elektroautos baue Energie Wasser Bern das öffentliche Ladenetz in Bern aber stetig und nachfrageorientiert aus. Liegenschaftsbesitzer werden zudem mit einem Förderbeitrag zur Einrichtung von privaten Ladestationen mit bis zu 500 Franken aus dem Berner Ökofonds unterstützt.

Mieter sind auf Goodwill angewiesen

In Neubauten mit Sammelgaragen werden heute in der Regel einige oder alle Parkplätze mit Ladestationen bestückt. Denn in Zukunft dürfte es schwierig werden, Parkfelder ohne Stromanschluss zu vermieten. Wer aber Mieter einer Altbauwohnung oder eines Hauses mit Parkplätzen ohne Ladeinfrastruktur ist, hat vor dem Kauf eines Elektroautos die Situation mit dem Vermieter zu klären. Laut dem Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) ist es vom Goodwill des Vermieters abhängig, den Wunsch nach einer Ladeeinrichtung zu erfüllen.

Wenn ein Vermieter damit einverstanden sei, müsse geklärt werden, wer die Installation veranlasst und für deren Kosten aufkommt. Vielfach sind Anpassungen beim Anschluss an das öffentliche Stromnetz nötig, beispielsweise mit einem dynamischen Lastmanagement. Dabei können häufig Anpassungen beim Anschluss vermieden werden. Zudem gilt es auch die Verrechnung der Stromkosten zu regeln.

Der Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz (MV) findet es aus ökologischer Sicht sinnvoll, wenn Vermieter Parkplätze mit Ladestationen ausrüsten. Es bestehe aber in einem laufenden Mietverhältnis kein Recht darauf. Wenn der Vermieter die Ladestation generell ablehnt, so darf man sie gemäss Angaben des MV auch nicht auf eigene Kosten einbauen. Denn eine Veränderung am Mietobjekt sei nur mit schriftlicher Zustimmung des Vermieters zulässig (Art. 260a OR). Falls der Vermieter aber einverstanden sei, dass ein Mieter auf eigene Kosten eine Ladestation einbaut, und die schriftliche Zustimmung erteilt, dann stehe dem Anliegen nichts im Weg. In diesem Fall sei für das Ende der Mietdauer zu regeln, ob der Mieter für den Mehrwert entschädigt wird, die Ladestation wieder entfernen muss oder ob sie ins Eigentum des Vermieters übergeht.