Energie Schweiz

Dieser GTE ist ein echter GTI

Aufgeladen: Strom zieht der Golf GTE durch die Nase.

In 7,6 Sekunden auf Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h – das tönt nach VW Golf GTI. Knapp daneben. Wir sind den Plug-in-Hybrid GTE gefahren.


Fahrspass beim Sparspass? Ja, natürlich. Über 30 aktuelle Modelle auf dem Schweizer Markt, die weniger als 95 Gramm CO2 ausstossen und der Energieeffizienzkategorie A oder B entsprechen, stehen mit mehr als 200 PS am Start. Wer also heute immer noch behauptet, dass effiziente Autos Langweiler sind, ist nicht up to date.

Up to date ist dafür der Golf GTE. Der Teilzeitstromer wurde zwar wie seine vielen Verwandten Anfang Jahr von A bis Z überarbeitet, die Leistungsdaten der Motoren blieben aber gleich: Ein 150-PS-TSI-Motor mit 1,4 Liter Hubraum und eine Elektromaschine mit 75 kW arbeiten im Team und stellen eine Systemleistung von 150 kW oder 204 PS parat. Das liest sich nicht nur gut, sondern fährt sich auch so. Denn der GTE hat Kraft, spurtet in 7,6 Sekunden auf Tempo 100 und verbraucht – zumindest theoretisch – nur 1,7 Liter statt den 6,3 Liter des klassischen GTI.

Der GTE ist ein treuer Alltagsbegleiter, der kein grosses Aufsehen um seine Technik macht. Er wählt selbständig zwischen E-Betrieb, Hybridmodus und antriebsfreiem Segeln. Nur wer extrem gut aufpasst, dem fällt ein leichtes Ruckeln beim Zuschalten des Verbrenners auf. Wer mit voller Batterie Kurzstrecken fährt, spürt und hört sowieso nichts, denn dann ist der 4-Zylinder zum Zuschauen verdammt. Emissions-, aber keineswegs freudlos treibt die 75-kW-Elektromaschine den Fünftürer sogar bei Autobahntempo voran und ist dabei mäuschenstill – auch gegen aussen. Denn der lediglich an blauen Akzenten erkennbare GTE ist keiner, der mit seiner Öko-Technik hausieren geht.

Typisch Golf: Der neue GTE sieht aus wie ein normaler Golf, fährt aber mit Plug-In-Hybrid.

Die 120 Kilo schwere Batterie bleibt in Kurven zwar nicht ganz unbemerkt, aber wenigstens trägt sie durch ihre Platzierung vor der Hinterachse zur optimalen Strassenlage bei. Überhaupt ist es die Wandlungsfähigkeit, die dieses Auto ausmacht – sein Talent, einem jeden Wunsch von den Augen respektive Fingern abzulesen und auf Knopfdruck mal fürs gute Gewissen, mal für die Leidenschaft zu sorgen. Und das alles mit dem Gefühl, dass man sich schon seit 100 Jahren kennt, weil Golf eben Golf bleibt: praktisch, selbsterklärend, unspektakulär, aber nahezu ohne Schwächen.

Kein Wunder. Schliesslich wurde der VW Golf seit 1974 bis zum 1. Januar 2017 weltweit 33'312'123 Mal verkauft. Und ein Ende der Erfolgsstory ist nicht in Sicht. Im Gegenteil, denn dank dem neusten Update flimmern jetzt hinter dem Lenkrad animierte Armaturen und daneben prangt ein Touchscreen, der zu den grössten in dieser Klasse zählt. So wird er nicht nur zur perfekten Bühne für das eigene Smartphone, sondern auch zur Plattform für ein umfangreich erweitertes VW-Infotainment. Das reicht von der nahezu perfekten Kartendarstellung bei der Navigation über einen Fotoplayer und neue Online-Guides bis hin zu Apps, mit denen man aus dem Auto heraus daheim die Türen kontrollieren, mit Gästen sprechen und auf Wunsch schon mal die Wohnung öffnen kann.

Muss man natürlich nicht haben, ist aber eine nette Spielerei, mit der man seine Kollegen schwer beeindrucken kann. Damit man sich in der Vielzahl dieser Möglichkeiten nicht völlig verliert, gibt es ebenfalls zum ersten Mal in dieser Klasse – zumindest für einige Menüs wie Sender- und Titellisten oder die Galerie der eigenen Erinnerungsfotos – eine Gestensteuerung: Mit Wischen und Winken kann man sich so einfach durch die Menüs wedeln.

Der Golf GTE macht also nicht nur beim Fahren Spass, sondern auch im Stillstand. Das ist Fortschritt.