Energie Schweiz

Das Ein-Gang-Menü

Sieben Gänge beim Handschalter, zwölf bei der Automatik. Vergangenheit: Beim Elektro-Auto reicht ein Ein-Gang-Getriebe.

Das Elektroauto revolutioniert den Autobau. Zwar brauchen die Hersteller neues Know-how in Sachen Batterietechnik, der Rest aber wird deutlich simpler: Ein Elektromotor ist um ein Vielfaches einfacher aufgebaut als ein Verbrenner. Und auch auf die Getriebe-Hersteller kommt ein Wandel zu. Die haben viele Jahre lang vor allem ihre Automatik- und Doppelkupplungsgetriebe immer weiter verfeinert, mit bis zu zwölf Gängen den Durst gezügelt und die Schaltvorgänge so komfortabel und gleichzeitig sportlich wie nur irgendwie möglich ausgelegt. Obwohl heutige Elektro-Autos kommen in der Regel mit ziemlich einfachen Ein-Gang-Getrieben aus.

Im Gegensatz zu den Verbrennungsmotoren liefern die E-Motoren ihre Kraft über einen extrem weiten Bereich, entwickeln also sowohl bei niedrigen wie auch bei hohen Touren ein ähnliches Drehmoment. Rein theoretisch würde den E-Autos also eine starre Verbindung zwischen Motor und Antriebswelle reichen. In der Praxis kommt aber meistens ein Ein-Gang-Getriebe als sogenanntes Untersetzungs-Getriebe zum Einsatz, das die Drehzahl des Motors um einen festen Faktor, in der Regel etwa 1:10, reduziert. Für den Fahrer fühlt sich das an wie ein Automatik-Getriebe, er muss nach dem Motor-Start lediglich auf «D» (für Drive) schalten.

Ein Gang reicht, um mit einem Elektroauto flott bis sehr flott losfahren zu können und befähigt die Stromer auch zu höherem Tempo auf der Autobahn. Jenseits unseres Tempolimits von 120 km/h wird der Stromverbrauch vor allem wegen des Luftwiderstands übergebührlich hoch. Darum versuchen einige Zulieferer und Hersteller, dieses Problem mit einem automatischen Zweigang-Getriebe zu lösen; das Sparpotential liegt dabei allerdings im einstelligen Prozentbereich. Dem gegenüber stehen höhere Kosten für das komplexere Getriebe, die am Ende der Kunde zu tragen hätte. Deshalb belassen es die meisten Autobauer bei der einfacheren Ein-Gang-Lösung.

Nur bei strombetriebenen Supersportlern wie dem Porsche Taycan bringt ein Zwei-Gang-Getriebe einen reellen Vorteil: Zwar nicht in Sachen Verbrauch, dafür aber bei der Höchstgeschwindigkeit. Mit nur einer Übersetzung würde der Zuffenhausener Elektro-Sportwagen keine 260 km/h erreichen. Hier spielt das Geld und der Spargedanke allerdings auch keine so grosse Rolle.