Energie Schweiz

Deutschland sucht den Super-Stromer

Wer Elektroauto sagt, meint Tesla. Das wollen die drei deutschen Premiummarken Audi, BMW und Mercedes-Benz so rasch als möglich ändern. Dazu haben sie eine Studie und zwei Serienfahrzeuge ins Rampenlicht gefahren. 

Wer hat’s erfunden, das Elektroauto? Nein, nicht wir Schweizer. Aber auch nicht Tesla-Vordenker Elon Musk, sondern ein Schotte. «Vermutlich zwischen 1832 und 1839 entwickelte der schottische Erfinder Robert Anderson in Aberdeen das erste Elektrofahrzeug», schreibt Wikipedia. Und ergänzt: «Das erste bekannte deutsche Elektroauto war der Flocken Elektrowagen von 1888; ihn fertigte die Maschinenfabrik A. Flocken in Coburg

Also feiert Deutschland in diesem Jahr 130 Jahre Elektroautos und jedes dritte Patent weltweit zur E-Mobilität kommt aus dem Land, in dem das Auto erfunden wurde. Erfolgsgeschichte haben die Stromer aber woanders geschrieben: In Kalifornien. «Die Welt hat in der Illusion gelebt, dass Elektrofahrzeuge nicht so gut sein können wie Autos mit Verbrennungsmotoren», sagte Tesla-Mitbegründer Elon Musk im Juni 2012 bei der Auslieferung der ersten Limousine und doppelte gleich nach: «Das Model S zeigt, dass ein Elektroauto das beste Auto in der Welt sein kann.»

Und auch wenn Musk derzeit PR-technisch ein wenig aus der Spur geraten ist und mit der Fertigung des Model 3 in grosser Stückzahl Anlaufschwierigkeiten hatte – ist für viele die Marke Tesla heute das Synonym für Elektroauto. Wenn es nach den deutschen Premiumherstellern geht, soll sich das aber bald ändern. Sie haben in den vergangenen Wochen gleich drei E-Neuheiten präsentiert: Audi den E-Tron, BMW die Studie iNext und Mercedes-Benz den EQC. Während der Audi noch in diesem Jahr auf die Strasse rollen soll, folgt der Mercedes Anfang 2019, und BMW gewährt mit dem iNext nur einen Blick in die Zukunft und zeigt, wie der Stromer der Generation 2 ab 2021 aussehen soll.

Wir haben den deutschen Verkehrsforscher und «Auto-Papst» Ferdinand Dudenhöffer darum gebeten, die Plus- und Minuspunkte der drei Fahrzeuge zu erläutern:

Audi E-Tron

Das grosse Batteriepack (95kWh), die sehr guten Leistungsdaten und Technikspielereien wie die Kamera-Aussenspiegel gefallen mir sehr. Leider ist das Audi-Design im Vergleich zu den Studien sehr konventionell geraten. Und wozu man die lange Motorhaube noch braucht, ist mir ein Rätsel. Das hat Jaguar mit dem I-Pace besser gemacht.

BMW iNext

Leider nur eine Studie. Studien sind zwar schön, aber die Realität ist schöner. Der iNext kommt erst 2021. Bei den Autos mit grosser Reichweite – also der Generation 2 von Elektroautos – sind die anderen schneller. Der elektrische Jaguar I-Pace fährt heute im Alltag schon 450 Kilometer. Jetzt kommen Mercedes mit EQC und Audi E-Tron und bald kommen die Chinesen. Für BMW ist das ein Risiko.

Mercedes-Benz EQC

Das Design des EQC passt und lässt den Elektromotor erkennen, ohne dabei die konventionelleren Mercedes-Kunden zu erschrecken. Die Leistungsdaten und auch Ladedaten überzeugen. Der Preis dürfte Hochschullehrern wie mir und anderen allerdings weh tun. Zudem hätte ein bisschen mehr Batteriekapazität – etwa 100 kWh wie beim Tesla Modell S 100 D – für eine grössere Reichweite nicht geschadet.



Reicht das, um Tesla vom Elektro-Thron zu drängen?

Dudenhöffer ist skeptisch: «Ich bin froh, dass es überhaupt endlich losgeht. Die deutschen Autobauer müssen Gas geben, denn ohne Elektroautos wird es teuer. Zum einen wären hohe Strafzahlungen in der EU die Folge, zum anderen würde man sich in China aus dem Markt herauskatapultieren. Schon 2019 schreibt China 10 Prozent Elektroquote vor», warnt er.

Trotzdem macht er den deutschen Marken Mut: «Ich denke, dass beide gut funktionieren werden, zumal sie von den bisherigen Käufern kein völliges Umdenken verlangen», so der Professor. «Und am Beispiel von Tesla, aber auch beim Jaguar I-Pace sieht man, dass Premiumkäufer grosses Interesse und das nötige Kleingeld für die Elektromobilität haben. Denn Premiumkäufer wollen Innovationen für ihr Geld und wollen auch ihrem Nachbarn zeigen, dass sie die Nase vorn haben.»