Energie Schweiz

Elektrifiziertes Erbe

Vor fast 60 Jahren startete die lange Karriere der Roadster-Ikone Cobra. Jetzt steht der Ur-Typ vor einem technischen Paradigmenwechsel und soll doch ganz klassisch bleiben.

Auch für den Fahrer ganz alter Schule bietet die Elektromobilität reizvolle Facetten. Darum gibt es immer mehr Oldtimer, die aufwendig elektrifiziert werden. Mit dem Wunsch einer Umrüstung steht man allerdings vor einem Dilemma: Für viele potenzielle Käufer des sogenannten «Garagengolds» bemisst sich der Preis am Originalzustand. Je mehr historische Substanz erhalten bleibt, desto mehr kann man für ein altes Mobil verlangen. Das trifft auch auf den Motor zu. Wird der Original-Verbrenner entfernt und durch ein modernes Industrie-Elektroaggregat ersetzt, dürfte das viele Kaufinteressenten abschrecken. Echte Oldtimer-Fans sehen darin sogar ein Sakrileg. Einerseits.

Andererseits macht eine E-Konversion viele Oldtimer attraktiver als bisher. So wird ein E-Motor die Fahrdynamik in den meisten Fällen verbessern, denn alte Verbrenner sind aus heutiger Sicht oft ziemliche Spassbremsen. Ausserdem verringern sich die Unterhaltskosten und die umgebauten Oldtimer werden alltagstauglicher. Wen ständiges Schrauben und die generell erhöhte Pannengefahr eines Oldtimers nervt, wird sich über einen E-Umbau freuen, der aus launischen Diven wartungsarme und zuverlässige Autos macht.

Nach Jaguar, Aston Martin und Co. und kürzlich VW mit dem legendären «Bulli» (hier zum  Artikel) will nun auch der britische Kleinserienhersteller AC Cars die Ur-Cobra in eine elektrisch angetriebene Version umbauen. Sie entspricht optisch dem Original der ersten Cobra-Serie aus dem Jahr 1962. Lediglich 58 Exemplare sollen entstehen.

Angetrieben wird der ab diesem Jahr verfügbare Leichtbau-Roadster von einer 230 kW/313 PS starken E-Maschine, die zwischenzeitlich 500 und dauerhaft 250 Newtonmeter Drehmoment bereitstellen kann. Damit soll der 1250 Kilogramm schwere Zweisitzer in 6,7 Sekunden aus dem Stand die 100-km/h-Marke erreichen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt gut 200 km/h. Die 54 kWh grosse Batterie soll rund 240 Kilometer Reichweite erlauben.

Wie die Ur-Cobra setzt auch die elektrische Version auf einen für die Unterbringung elektrischer Antriebskomponenten lediglich im Detail angepassten Leiterrahmen. Auf heutige Anforderungen wurden ausserdem Lenkung, Bremsen und andere Komponenten angepasst. Fahreigenschaften und Innenraum, so AC Cars, «vermitteln den traditionellen Geist der Ur-Cobra». CEO Alan Lubinsky: «Die jahrzehntelange Treue unserer Cobra-Fans hat uns den Entscheid leichtgemacht, den Series 1 Electric zu realisieren.»

Wer es trotzdem noch mit Verbrenner mag, den enttäuschen die Briten nicht: Sie legen eine ebenfalls auf 58 Exemplare limitierte AC Cobra 140 Charter Edition auf. Diese wird von einem 2,3-Liter-Turbobenziner aus dem aktuellen Ford Mustang angetrieben.