Energie Schweiz

Digitale Revolution aus China

Mit einem besonders smarten Elektro-SUV will der chinesische Hersteller Byton das Auto neu erfinden. Vorausgesetzt, man hat genügend Geld. Es soll seinen Besitzer erkennen, dessen Gesundheitsdaten verfolgen und vor allem mit Sprache und Gesten gesteuert werden können. 

Wer sich zum ersten Mal in die auf der CES in Las Vegas enthüllte SUV-Studie von Byton setzt, der fühlt sich wie Captain Future auf einer Zeitreise. Denn so digital wie der 4,85 Meter lange Fünfsitzer, so vernetzt und so smart war bislang noch kein anderes Auto.

Kein Wunder, schliesslich wollen die Chinesen, die für ihren Angriff auf Tesla & Co. vor allem Manager aus dem Team von BMW i abgeworben haben, nicht einfach nur saubere Mobilität bieten, sondern ein bislang ungeahntes digitales Erlebnis. «Unser Concept Car verbindet die digitale mit der automobilen Industrie in einer Art und Weise, die völlig neue Mobilitätserfahrungen ermöglicht», verspricht Firmenchef Carsten Breitfeld. Nicht umsonst steht der Firmenname für «Bytes on Wheels» und nicht ohne Grund prangt im Cockpit neben drei soliden Touchscreens der mit 125 mal 25 Zentimetern grösste Bildschirm, der es bislang in ein Auto geschafft hat.

Die technischen Daten des SUV mögen weniger spektakulär sein: 520 Kilometer Reichweite mit 95 kWh grossen Akkus, 80 Prozent Ladung in 30 Minuten, 350 kW Leistung, 720 Nm Drehmoment und Fahrleistungen auf dem Niveau eines Sportwagens – das kennt man auch von Tesla & Co. Und auch Autos wie der E-Tron von Audi oder der i-Pace von Jaguar, dessen Serienversion im März am Genfer Auto-Salon seine Publikumspremiere feiert, werden dort hinkommen.

Ein Auto, das seinen Besitzer erkennt
Doch was Byton sonst alles bieten will, klingt ziemlich einzigartig:
Statt Türgriffen gibt es Kameras, die den Nutzer erkennen, ihm Einlass gewähren und nach einem gespeicherten Profil alle individuellen Einstellungen vornehmen. Bedient wird der Wagen vor allem mit Sprach-, Touch- und Gestensteuerung und als Teil eines 5G-Netzwerkes, ist er ständig und überall online und connected. Egal ob Kommunikation oder Infotainment, ja sogar die Gesundheitsdaten der Insassen stehen auf allen Geräten und an allen Orten der digitalen Lebenswelt zur Verfügung.

Zwar hat es gerade aus China schon viele ambitionierte Elektrostudien mit reichlich digitalem «Hallelujah» gegeben. Erst im vergangenen Jahr hat Faraday Future auf der CES ein grosses Strohfeuer entfacht, von dem aktuell nur noch ein Häufchen Asche übrig ist. Doch so ganz vergleichbar ist Byton mit den anderen Newcomern nicht. Denn erstens strahlen die ehemaligen BMW-Manager eine schier unerschütterliche Zuversicht aus und zweitens machen sie, anders als ihre Vorreiter, ziemlich konkrete Angaben zur Zukunft.

So entwickeln sie gerade eine eigene Plattform für ein Modell im Stil der SUV-Studie, die bereits 2019 in den Handel kommen soll. Gebaut in Nanjing in China soll es zuerst im Reich der Mitte auf den Markt kommen, bereits 2020 aber auch in den USA und in Europa. Und wer nicht auf die Top-Version mit den Eckdaten der Studie besteht, sondern mit 71 kWh für 400 Kilometer und mit 200 kW Motorleistung zufrieden ist, den wollen die Chinesen mit einem Preis von unter 40’000 Euro ködern. Als wäre das nicht schon Kampfansage genug, sollen in den Jahren darauf erst eine Limousine und dann noch ein Siebensitzer folgen.

Natürlich muss auch Byton erst einmal beweisen, dass es diesmal mehr sind als schöne Worte und leere Versprechungen. Deshalb planen die Chinesen laut einer Meldung von Bloomberg, mit einer Finanzierungsrunde 400 weitere Millionen US-Dollar einzunehmen. Spätestens im nächsten Jahr wird man wissen, wie es um die digitale Revolution bestellt ist.