Energie Schweiz

Der Benzinmotor wird weiter optimiert

Elektroauto, Hybrid, Mild-Hybrid, Plug-in-Hybrid, Brennstoffzelle und Range Extender – wer die Medien liest, der glaubt, die ganze Autowelt stünde unter Strom. Dabei läuft ohne die traditionellen Verbrenner auch bei uns quasi nichts. Und auch er wird stetig weiter entwickelt und in Richtung mehr Effizienz optimiert.

58,4 Prozent aller Neufahrzeuge in der Schweiz und Liechtenstein waren 2017 mit einem Benzin-Motor ausgerüstet – das entspricht einem Plus von 2,3 Prozentpunkten zum Vorjahr. Und trotz der anhaltenden schlechten Diesel-Schlagzeilen konnte der Selbstzünder mit 36,0 Prozent einen respektablen Marktanteil verteidigen, musste aber ein Minus von 3,2 Prozent verbuchen.

Doch zurück zum Benzinmotor, dessen Karriere noch lange nicht zu Ende ist. Im Gegenteil: Denn Downsizing, Turbo-Aufladung und Direkteinspritzung haben den Hubraum geschrumpft, den Verbrauch gesenkt und die Leistung trotz allem gesteigert.

Variable Verdichtung
Die Weiterentwicklung des Otto-Motors ist im vollen Gang. Auch kleinere Firmen setzen voll auf den Benziner. So zum Beispiel die edle Nissan-Tochter Infiniti, dessen neuster SUV QX50 wird vom ersten Benzinmotor angetrieben, der eine variable Verdichtung ermöglicht. Diese so genannte VC-Turbo-Technologie, die seit 20 Jahren bei allen Herstellern erprobt wird und jetzt endlich vor dem Durchbruch steht, soll einerseits die Leistung und die Fahrfreude steigern, andererseits aber den Verbrauch reduzieren, erläutert Infinitis Motoren-Papst Shinichi Kiga.

Den Spagat zwischen Sportlichkeit und Sparsamkeit stehen die Japaner mit einer voll variablen Verdichtung. Die Verdichtung, also der Grad, wie stark das Benzin-Luft-Gemisch im Zylinder komprimiert wird, ist ausschlaggebend für die Effizienz der Verbrennung und für die Leistungsentfaltung. Deshalb sind sportliche Fahrzeuge in der Regel geringer verdichtet als sparsame «und alle müssen sie Kompromisse machen», sagt Kiga. Nur er nicht. «Unser neuer 2-Liter-4-Zylinder-Motor kann zwischen 1:8 für eine sehr gute Leistungsausbeute und 14:1 für eine sehr sparsame Verbrennung hin und her schalten und auch alle Verhältnisse dazwischen abdecken.» Und während ein mechanisches Meisterstück aus drei von einem Elektromotor angetriebenen Umlenkstangen anstelle der konventionellen Kolben den Hub im Zylinder um bis zu sechs Zentimeter variiert und so für eine Druckanpassung sorgt, bekommt der Fahrer davon nichts mit. Erst beim Tanken.

Comeback des Diesotto
Eine weitere «Neuheit» ist für 2019 vorgesehen – dann will Mazda das erste Serienauto mit einem Diesotto-Motor lancieren. Diesotto? Richtig: Vor knapp einem Jahrzehnt galt der Diesotto-Motor – eine Wortkreuzung aus Diesel- und Ottomotor – als grosse Hoffnung der Automobilindustrie. Der Zwitter aus Diesel und Benziner sollte die Vorteile beider Modelle vereinen: sparsam sein und trotzdem sauber bleiben. Doch die Idee verschwand irgendwann und irgendwo wieder in der Schublade.

Bis jetzt. Der japanische Autohersteller Mazda hat für 2019 ein «Comeback» des Diesotto-Motors angekündigt und versprochen, «der Spritverbrauch des Modells soll unter Diesel-Niveau liegen». Was den Diesotto so besonders macht, ist die Mischung aus der vom Diesel bekannten Selbstzündung und der Fremdzündung des Kraftstoffs, wie es sie sonst bei Ottomotoren gibt. Während beim Anfahren und bei hoher Last das Benzin-Luft-Gemisch durch eine Zündkerze entflammt wird, sorgt bei niedriger und mittlerer Belastung die hohe Verdichtung für die Zündung. Im Ergebnis soll ein Diesotto-Motor ähnlich sparsam mit Sprit umgehen wie ein Diesel – jedoch ohne dessen hohe Schadstoffemissionen. Vor allem beim Stickoxid- und Russausstoss dürfte der Diesotto-Motor dem klassischen Selbstzünder dank seiner homogenen Verbrennung überlegen sein. Und das ohne teure und komplizierte Abgasreinigung.

Benziner mit maximal 95 Gramm CO2
Aber wer einen vernünftigen Benziner fahren will, muss nicht auf den Diesotto warten denn aktuell werden in der Schweiz 45 Modellvarianten mit Benzinmotor angeboten, die maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstossen. Das sind vor allem günstige Kleinwagen wie der Suzuki Celerio, den es mit dem 1-Liter-Benziner und 68 PS bereits ab 9'990 Franken gibt. Wer dieses Auto in Zürich einlöst, muss mit nur 0,51 Franken pro Kilometer rechnen.

Mehr als zweieinhalb Mal so viel muss man für den derzeit teuersten Benziner in der co2tieferlegen-Liste investieren, den Fiat 500C. Dafür kriegt man allerdings ein Kultauto mit trendigem Cabrioverdeck und immerhin 80 PS. Das reicht für jede Menge Fahrspass und – wenn das Wetter mitmacht –, einen gesunden Teint.