Energie Schweiz

Die Consumer Electronics Show (CES) und die North American International Auoto Show (NAIAS) im Vergleich

Zwei Messen, zwei Welten

Zum Auftakt des Autojahres zeigte sich die Branche bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas und bei der North American International Autos Show (Naias) in Detroit von zwei völlig verschiedenen Seiten.

Las Vegas: Virtuell, autonom und geteilt

So langsam wird es ernst und die Zeit der Zweifel ist vorbei: Das Auto, wie wir es kennen, hat offenbar tatsächlich bald ausgedient.

Doch es waren vor allem Robo-Shuttle und autonome Roboter-Fahrzeuge, die in diesem Jahr den automobilen Teil der Messe bestimmten. Während draussen aktiv demonstriert wird, dass Lyft & Co. bald ohne Fahrer auskommen werden, und der visionäre Mercedes Urbanetic mit seinem Wechselaufbau für Passagiere oder Päckchen ohne Steuermann zur nächtlichen Jungfernfahrt durch die Neonwelt antritt, fuhren drinnen vor allem die Zulieferer gross auf und drängen mit eigenen Konzepten ins Geschäft: Denn nicht nur Kia zeigt auf der CES ein weiteres Robo-Shuttle, das sein Innenleben automatisch der Gefühlslage der Passagiere anpasst. Sondern auch Bosch oder ZF wollen mit eigenen Fahrzeugen in den öffentlichen Nahverkehr der Zukunft. Und weil der Verkehrsraum in den Megacities selbst dann knapp wird, wenn immer mehr Städter beim Ride-Sharing einsteigen, werden auch die Transportmittel immer kleiner: Der Schweizer Quer- und Vordenker Frank Rinderknecht hat deshalb seinen SnapOn, der den Wechselaufbau des Mercedes schon im letzten Jahr vorweg genommen hat, als MicroSnap auf das Format des Renault Twizy geschrumpft.

Weil das Fahren in Zukunft in erster Linie dem Ankommen und nicht mehr dem Lustgewinn dient, rücken andere Qualitäten in den Vordergrund. Deshalb wird die Grösse der Bildschirme im Auto plötzlich so wichtig wie früher die Zahl der Zylinder und ein 1,24 Meter breites Display quer durch das gesamte Cockpit war schon genug, damit ein Newcomer wie Byton zum Star der Show wurde. Auch Audi zielt nicht mehr aufs Fahrerlebnis, sondern verspricht lieber eine Erlebnisfahrt und setzt dabei weniger auf aufwändige Fahrwerke oder ausgefeilte Motoren, als auf eine VR-Brille. Während sich der Fahrer oder später mal der Autopilot durch den Verkehr quält, schauen die Passagiere in virtuelle Welten und spielen dort zum Beispiel VR-Games, die mit den Fahrzeugsensoren vernetzt sind und sich deshalb der Längs- und Querbeschleunigung anpassen. Selbst BMW, der Hüter der «Freude am Fahren» sorgte in Vegas nicht mit PS für Furore, sondern mit einer virtuellen Testfahrt in der Studie „Vision iNext“.


Detroit: Gute Miene zum «bösen» Spiel

Während es der gebeutelten Stadt Detroit langsam besser geht, kämpft die einstmals wichtigste US-Messe nach mehr als 100 Jahren mit dem Abstieg in die Bedeutungslosigkeit. Doch Detroit machte gute Miene zum bösen Spiel – und vor allem die US-Hersteller nutzten die Gunst der Stunde. Hatten sie zuletzt gegen die Übermacht insbesondere aus Deutschland kaum eine Chance, fuhren sie mit ihren aktuell eher bescheidenen Möglichkeiten diesmal vergleichsweise gross auf. Und ausgesprochen traditionell: Denn wenn General Motors seine Midsize Pick-Ups GMC Sierra und Chevrolet Colorado/Silverado erneuert und FCA einen neuen Ram auf die Bühne rollt, dann ist das für den US-Markt mindestens so wichtig, wie bei uns die Doppelpremiere von VW Passat und Opel Insignia. Und mit dem neuen Ford Explorer geht immerhin der erfolgreichste Geländewagen der USA in die nächste Runde. Der schnittiger gezeichnete Geländewagen soll nach zwei Generationen Pause wieder offiziell nach Europa exportiert werden. Diese Chance gibt es auch für die zweite Neuheit von Ford: Den neuen Shelby GT500 mit 700 PS, der vollends zum Supersportler wird. Während hinter Explorer und Shelby allerdings noch Fragezeichen stehen, setzt Cadillac hinter den neuen XT6 ein Ausrufezeichen. Das Fünfmeter-SUV ist Teil der grossen Modelloffensive, mit der sich die traditionelle Luxusmarke neu erfinden will – später auch mit elektrischen Antrieben.

Ohne die deutsche Übermacht blühten auch die Asiaten mit Studien wie der elektrischen SUV-Limousine Nissan IMs oder dem gemessen an den letzten Showcars fast schon konkreten Infiniti QX Inspiration, der einen Ausblick auf den ersten Elektro-SUV der noblen Nissan-Schwester geben soll, auf. Und Toyota zeigte neben einem wohl nur noch pro forma als „Concept“ etikettierten Lexus LC Cabrio auch die Serienversion des neuen Supra.

Doch zumindest ein deutscher Hersteller hält den Amerikanern tatsächlich die Treue und untermauert das mit ein paar grossen Gesten: Volkswagen. Denn die Wolfsburger zeigten in Detroit nicht nur einen neuen Passat, der eigens für den US-Markt entwickelt wurde. Sondern sie kündigen zudem eine 800 Millionen-Dollar-Investition in ihr US-Werk an und wollen in Chattanooga künftig auch Elektroautos bauen.