Energie Schweiz

Auch an der Auto Zürich wird co2tiefergelegt

Anfang November trifft sich die Schweizer Autobranche an der Auto Zürich Car Show. Wie an jeder Automesse werden auch hier die neusten Trends gezeigt. Dabei spielt das Thema Energieeffizienz eine wichtige Rolle. Der Präsident der Automesse, Karl Bieri, erzählt im Interview, welche Neuheiten dieses Jahr am Start sind und warum ihm die Energieeffizienz persönlich ein Anliegen ist.

Karl Bieri, die Automobilindustrie befindet sich derzeit in einem grösseren Wandel. Was heisst das für die Auto Zürich?
Wir sind uns dessen schon lange bewusst, und deshalb ist die Auto Zürich Car Show längst viel mehr als nur ein Feuerwerk von Autoneuheiten.

Was heisst das konkret?
Die 31. Auto Zürich Car Show zeigt zwar über 40 spannende Schweizer Premieren, aber wir schlagen auch die Brücke zwischen Gegenwart und der elektrischen, digitalen Zukunft.

Das klingt gut. Aber was heisst das im Detail und was können die Besucherinnen und Besucher in Bezug auf das Thema Zukunft erwarten?
Sehr viel. Die Chancen für Zürich als Austragungsort des ePrix werden immer realistischer. Da ist es natürlich spannend, dass wir den Besuchern den aktuellen Formula E-Rennwagen des Renault e.dams Teams zeigen können. Zudem kommt der Akademische Motorsportverein Zürich mit dem rein elektrischen pilatus und dem flüela driverless. Damit mischen die Studenten der ETH Zürich in der Formula Student ganz zuvorderst mit.

Karl Bieri, Präsident der Auto Zürich

Soviel zum E-Rennsport, der aber in der Gegenwart verankert ist. Wie sieht denn der Blick in die Zukunft aus?
Dieser findet ebenfalls in der Halle 5 statt. Mit der CE Trend-Tour und der New Auto World zeigen Euronics und namhafte Marken der CE-Welt, wohin die Reise in die Zukunft geht. Das Auto soll dank Digitalisierung und Vernetzung zum Consumer-Electronics-Produkt wie das Smartphone werden.

In der Automobilindustrie herrscht alles andere als Einigkeit, welcher Antrieb denn in Zukunft der richtige ist. Was glauben Sie als Fachmann persönlich?
Elektromotor, Brennstoffzelle, Erdgas-Antrieb, Plug-In-Hybride, der reine Verbrennungsmotor – und explizit auch der Diesel – werden je nach Bedürfnissen der Autokäuferinnen und Autokäufer und im Rahmen der Gesetzgebung angeschafft werden. An den vielfach zitierten alleinigen Königsweg des Elektro-Antriebs glaube ich nicht.

Auf welche Premiere freuen Sie sich ganz persönlich und warum?
Mit dem neuen Nissan Leaf feiern wir eine Europa-Messe-Premiere. Der 100-prozentige-Stromer hat eine akzeptable Reichweite von 378 Kilometern und ist zu einem attraktiven Preis zu haben. Eine grosse Reichweite ist entscheidend für den Erfolg von Elektrofahrzeugen, ausser man setzt sie ausschliesslich im Kurzstreckenverkehr ein, was auch sinnvoll sein kann.

Während Neuheiten an den Automessen früher nach dem Motto «grösser, stärker, schneller» protzten, ist die Energieeffizienz heute ein sehr wichtiges Thema. Welche Premiere steht in Bezug auf Effizienz bei der Auto Zürich auf der Pole Position?
In allen Segmenten werden die Fahrzeuge von Jahr zu Jahr energieeffizienter und in vielen Modellen mit kleineren Motoren trotzdem stärker – dies dank Turbo- und Hybrid-Systemen.

Und wie wichtig ist die Energieeffizienz für Sie ganz persönlich?
Ich fahre seit über 10 Jahren Erdgasfahrzeuge. Dies macht deutlich, wie wichtig Energieeffizienz für mich ist. Aber die Emotionalität darf bei mir auch nicht zu kurz kommen. Für einen Wochenendtrip setze ich mich auch gerne mal in einen Sportwagen.

Mit der Kampagne co2tieferlegen will EnergieSchweiz den Verkauf von Autos mit einem Ausstoss von maximal 95 Gramm CO2 pro Kilometer fördern. Eine gute Sache?
Ich fahre wie gesagt selbst energieeffizient. Die Kampagne finde ich sehr wertvoll. Die Informationen kommen in attraktiver Form daher und sensibilisieren zum Thema CO2-Ausstoss. Ein sehr interessanter Ansatz: Aufklärung ist machtentscheidend. Von Fahrverboten halte ich gar nichts!

Zurück zum Rennsport: Das Sauber F1 Team kehrt an die Auto Zürich zurück. Passt das noch zu der neuen Autoshow?
Natürlich, denn der Fortschritt in der Automobilindustrie profitiert auch heute noch von den Entwicklungen im Rennsport. Denken Sie nur an die Hybrid-Technologie KERS. Darum freue ich mich sehr über die Rückkehr von Sauber, denn diese Volksnähe unterstreicht auch die Swissness des Teams aus Hinwil.

Ein grosses Thema der Zukunft ist das autonome Fahren. Freuen Sie sich auf die erste Fahrt, während der Sie Zeitung lesen oder ein Video schauen können? Oder geben Sie das Lenkrad ungerne aus der Hand?
Einige Prognosen gehen davon aus, dass das Zeitunglesen während der Fahrt und in Liegestellung nicht vor 2040 möglich sein wird. Vielleicht werde ich es dann – wenn ich ganz grosses Glück habe – geniessen können. Aber aktuell gebe ich das Lenkrad definitiv nicht aus der Hand.