Energie Schweiz

Wartezeit mit Kult überbrücken

VW E-Bulli

Seit Ende April fährt VW die Produktion des ersten neuen Stromers wieder hoch. Denn ab August soll der ID.3 die Elektromobilität beleben. In der Zwischenzeit sorgt ein elektrischer VW-Bus von 1966 für Schlagzeilen.

Trotz der aktuellen Situation rund um die Corona Krise startet Volkswagen in die zweite Phase der Strategie «TRANSFORM 2025+». Der ID.3, das erste auf der neuen Elektro-Plattform MEB basierende reine E-Auto, soll laut Plan ab Sommer (voraussichtlich August) an Kunden ausgeliefert werden. Danach folgt mit dem ID.4 das erste vollelektrische SUV der Marke.

Volkswagen macht sich in eigenen Worten «auf den Weg zur emissionsfreien Mobilität für alle». Bis 2022 will die Marke E-Autos auf MEB-Basis in allen wesentlichen Fahrzeugsegmenten anbieten. Und bereits bis 2025 sollen mindestens 1,5 Millionen E-Autos pro Jahr verkauft werden. «Langfristiges Ziel ist die vollständige Dekarbonisierung der Flotte und des Unternehmens bis 2050», heisst es in Wolfsburg. Doch bereits im laufenden Jahr soll der durchschnittliche CO2-Ausstoss der Flotte um 25 Gramm pro Kilometer reduziert werden.

In der Zwischenzeit haben VW Nutzfahrzeuge und die Spezialisten von eClassics einen VW Bus von 1966 zu neuem Leben erweckt – und mit Elektroaggregaten der neuen MEB-Plattform als E-Botschafter in die Zukunft geschickt. Denn es gibt wohl nur wenige Autos, die so eine emotionale Reaktion hervorrufen, wie der zwischen 1950 und 1967 gebaute Volkswagen T1 – bei uns der VW-Bus, in Deutschland der «Bulli». Und jetzt ist er zurück.

Als Basis verwendete die auf E-Auto-Umbauten spezialisierte Firma eClassics ein Sondermodell Samba von 1966, das die Spezialisten von A bis Z umbauten. Der Motor sitzt zwar weiterhin im Heck, leistet nun aber statt der ratternden 44 PS des Boxer-Aggregats 83 elektrische PS. Die Höchstgeschwindigkeit steigert sich von 105 auf 130 Kilometer pro Stunde. Gleichzeitig wurde das Fahrwerk modernisiert, die Akkus befinden sich mittig im Unterboden. Die Komponenten stammen aus den aktuellen Stromer-Modellen von VW. Der E-Bulli soll so an Schnellladesäulen mit bis zu 50 kW in 40 Minuten etwa 80 Prozent seiner Reichweite von rund 200 Kilometern tanken können.

Antike Optik, moderne Technik

Im Innenraum ist der Einfluss der Fünfziger- und Sechzigerjahre nicht zu übersehen, die Sitze sind mit zweifarbigem Leder bezogen, der Boden besteht aus Massivholz. Immerhin: Das Radio sieht zwar antik aus, verfügt aber über DAB+, Bluetooth und einen USB-Anschluss. So viel Style kostet. Der E-Bulli rollt «ab 65’000 Euro» zu den Kunden, heisst es in der Pressemitteilung von VW. Wobei eClassics gleich mehrere Varianten für den Umbau anbietet. Doch wer solch einen Klassiker in ein E-Auto verwandelt, zerstört zwangsweise seinen Marktwert. «Wenn die Antriebseinheit derart umgebaut wird, ist das Fahrzeug historisch gesehen nicht mehr relevant», bestätigt der deutsche Oldtimer-Experte Norbert Schröder. «Wirtschaftlich macht das eigentlich keinen Sinn.»

«Das Thema Emotion wird hier als Promotion der Zukunft transportiert», sagt Schroeder. Die Hersteller verknüpfen die positiven Assoziationen mit den Markenklassikern mit dem oft noch ambivalenten Verhältnis zu der neuen Antriebstechnik. So wie VW: «Der VW Bus und der Käfer – die stehen für etwas», sagt Schroeder. Neue Modelle könnten diese emotionale Ebene oft (noch) nicht bedienen.

Elektroklassiker

Seit Jahren widmen sich viele kleine Firmen dem Umbau von Oldtimern. Besonders beliebt sind der VW Bus und der VW Käfer. Zelectric in Kalifornien beispielsweise verwandelt sie nach und nach in Elektroautos. Auch in Deutschland gibt es Unternehmen wie Voltimer, die versprechen, theoretisch jeden Oldtimer mit einem E-Motor auszurüsten. Die Margen sind aufgrund der geringen Stückzahlen gering. Trotzdem versuchen sich auch grössere Hersteller an der Elektrifizierung klassischer Modelle. Es geht ihnen dabei aber um etwas ganz Anderes: Aston Martin baute 2019 einen DB6 um mit dem Hinweis, dass dies für alle Modelle zwischen 1958 und 1972 möglich sei. Kostenpunkt: 225’000 Euro. Jaguar stellte 2018 seinen elektrischen E-Type Zero vor, erhielt viel positive Resonanz, kündigte aber ein Jahr später an, das Projekt aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen. Der Zweck war trotzdem erfüllt: positive PR.